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August 2021

„Wir sind bewahrt worden”

Der Münchner Jakob S. hat noch nie bereut, Polizist geworden zu sein. Auch nicht, als er von einem wütenden Mob attackiert wurde. Sein Glaube an Jesus Christus hilft ihm dabei. Von Romy Schneider

Jakob S.

Am 8. Mai erlebte Jakob S. seine ganz persönliche Feuertaufe. Erst seit April leitet der 28–jährige Münchner Polizeihauptkommissar einen Zug der sogenannten Einsatzhundertschaft. Die Polizeieinheit unterstützte die Streifenbeamten bei einem Routineeinsatz im Englischen Garten. Die Stimmung war friedlich. Hunderte zumeist junge Menschen saßen, lachten, tranken nach dem dritten Corona–Lockdown auf den Wiesen. Die Polizei sorgte für die Einhaltung der Corona–Regeln. Ansprechen, erklären, ermahnen. Doch am Abend eskalierte die Lage nach einem sexuellen Übergriff und einer Schlägerei. Binnen Minuten pfiff und buhte ein Pulk aus 200 Menschen die Polizisten aus. Jugendliche gingen mit Drohgebärden auf sie zu. Dann flog die erste Flasche. Fast 30 Minuten lang ging ein Flaschenregen auf die Beamten nieder. Die Bilanz: 19 verletzte Polizisten und sechs Festnahmen . Auch Jakob S. hatte Abschürfungen am Knie. Die Angriffslust machte ihn fassungslos, wie er erzählt. Als er die blinde Wut in den Augen der Angreifer sah, dachte er aber auch: „Jesus hat auch sie lieb.” Als Polizist will er helfen und schützen. Als Christ sind die Worte Jesu: „Tut wohl denen, die euch hassen” (Lukasevangelium 6,27) Kompass – und Herausforderung zugleich.

Einander verstehen

S. wuchs in einer christlichen Familie aus. Jesus ist für ihn Freund und König. Den Glauben nicht als privates Hobby zu leben, darin bestärkt ihn sein Großvater. Dessen Credo: „Jakob, du müsstest eigentlich immer ein Stoßgebet oder Vaterunser beten.” Der Polizist will auch kein "U–Boot–Christ” sein. Auf der Polizeischule in Sulzbach–Rosenberg bekannte er vor den Kollegen: „Mein Glaube ist mir wichtig.” Gemeinsam mit zwei angehenden Beamten gründete er dort einen Hauskreis. In München gehört er der Evangelischen Gemeinschaft an. An dienstfreien Tagen begrüßte er unter anderem die Gottesdienstbesucher. In der Ortsgruppe der Christlichen Polizeivereinigung (CPV) in München tauscht er sich aus mit erfahrenen Polizisten. Wie leben sie ihren Glauben im Dienst? Die Beamten beten miteinander und ermutigen sich gegenseitig. Das sei wichtig, sagt er. Gerade dann, wenn ein Einsatz ihn nach Dienstschluss weiter beschäftigt. Etwa auch, als ein Mann seine Frau verprügelt hatte. In der Wohnung hingen Bibelverse an den Wänden. Häusliche Gewalt unter Christen? Hätte ich etwas sagen sollen als Christ, fragte er sich danach.

Zerbruch, Sünde, Trennung erlebe S. auch bei seinen Kollegen. Vor allem ihnen will er das Evangelium nahebringen. Die besten Gespräche darüber habe er im Einsatzwagen. Nachts, wenn wenig los ist, kommen Probleme ans Licht. Dann spricht S. darüber, wie ihm Gott hilft – als Polizist und Christ.

© idea Das Christliche Spektrum 32/33.2021